Cholesterinwerte sind verlässliche Hinweisgeber für das Herzinfarkt- und Schlaganfall-Risiko
Bei der SPRECHZEIT am 11. Juni 2026 informierten Fachärztinnen und Fachärzte, welche Werte gemessen werden sollten
Zu hohe Cholesterinwerte im Blut zählen zu den Hauptrisikofaktoren für Herzinfarkt, Schlaganfall und Durchblutungsstörungen in Beinen und Armen. Doch um welche Werte geht es genau? Wann und wie oft sollte man sie messen lassen? Und was hilft gegen zu hohe Blutfettwerte? Anlässlich des Tags gegen Cholesterin informierten Expertinnen und Experten der Deutschen Gesellschaft für Lipidologie e. V. (DGFL) – Lipid-Liga am Lesertelefon. Hier die wichtigsten Fragen und Antworten in der Übersicht:
Warum steigern erhöhte Cholesterinwerte das Schlaganfallrisiko?
Prof. Dr. med. Ksenija Stach: Bei über längerer Zeit zu hohen LDL-Cholesterinwerten können sich Cholesterin und andere Stoffe in den Wänden der Blutgefäße ablagern. Diese sogenannten Plaques verengen und verhärten die Blutgefäße – es entsteht eine Atherosklerose, umgangssprachlich Arterienverkalkung genannt. Sind Blutgefäße betroffen, die das Gehirn mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgen, kann die Durchblutung des Gehirns eingeschränkt werden. Außerdem können diese Ablagerungen aufreißen. Dabei können sich Blutgerinnsel bilden, die ein Gefäß plötzlich verschließen und zu einem Schlaganfall führen. Betrifft ein solcher Gefäßverschluss die Herzkranzgefäße, kann dies einen Herzinfarkt auslösen. Auch Lipoprotein(a) spielt eine wichtige Rolle. Sind die Lp(a)-Werte erhöht, steigt das Risiko für Gefäßverkalkungen sowie für Herzinfarkt und Schlaganfall zusätzlich an. Deshalb sollte auch dieser Wert bei der Vorsorge berücksichtigt werden.
Welche Werte sollte ich messen lassen – und wie oft?
PD Dr. med. habil. Daniel Kretzschmar: Sie sollten Gesamt-Cholesterin, LDL-Cholesterin, HDL-Cholesterin sowie Triglyzeride bestimmen lassen und wenigstens einmal im Leben Lipoprotein(a). Da die schädigende Wirkung von erhöhten Cholesterinwerten davon abhängt, wie lange diese die Blutgefäße stressen, ist eine frühzeitige Bestimmung wichtig. Messungen sind ab dem 6. Lebensjahr sinnvoll. Wie oft Sie die Werte messen lassen sollten, hängt von deren Höhe bei der Erstmessung sowie Ihrem individuellen Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen ab. Nur bei Lipoprotein(a) ist es anders: Da dieser Wert erblich bedingt ist und sich im Laufe des Lebens nicht wesentlich verändert, genügt eine einmalige Messung. Da auch Hormone Einfluss auf die Blutfette haben, sollten Frauen sich in jedem Fall nach der Menopause nochmals checken lassen.
Wann gilt der LDL-Cholesterinwert als zu hoch?
Dr. Fatima Goudjil: Einen allgemeingültigen Grenzwert gibt es nicht, denn medizinisch wird immer das individuelle Gesamtrisiko eines Menschen für Herz-Kreislauf-Erkrankungen betrachtet. Dabei spielen bereits bestehende Erkrankungen wie Bluthochdruck und Diabetes ebenso eine Rolle wie der Lebenswandel, eine erbliche Vorbelastung, das Alter oder eine bereits bestehende Atherosklerose. Bei einem gesunden Menschen ohne Risikofaktoren für eine Herz-Kreislauf-Erkrankung sollte das LDL-Cholesterin im Blut unter 116 mg/dl (3 mmol/l) liegen. Unter Berücksichtigung des individuellen Gesamtrisikos wird für die Behandlung ein LDL-Zielwert festgelegt, der umso niedriger angesetzt wird, je mehr Risikofaktoren vorliegen.
Und was verrät der Triglyzerid-Wert?
Priv.-Doz. Dr. med. habil. Katharina Lechner: Triglyzeride, oft auch Neutralfette genannt, dienen unserem Körper als Energielieferanten. Nehmen wir über längere Zeit mehr Energie auf, als wir verbrauchen, zum Beispiel durch zu viele Kalorien aus Fett, Zucker oder Alkohol, kann dies zu erhöhten Triglyzeriden im Blut führen (über 150 mg/dl beziehungsweise 1,7 mmol/l). Das kann indirekt die Entstehung von Atherosklerose fördern. Bei sehr hohen Werten über 500 mg/dl steigt das Risiko für eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse. Die gute Nachricht: Erhöhte Triglyzeride lassen sich durch eine Anpassung des Lebensstils deutlich verbessern. Ein besonders wichtiger Hebel ist Bewegung: mehr Alltagsbewegung, regelmäßiges Ausdauertraining und vor allem muskuläres Kräftigungstraining. Denn Muskeln verbrauchen Energie, verbessern die Verarbeitung von Zucker und Blutfetten und unterstützen damit aktiv einen gesünderen Stoffwechsel.
LDL-Cholesterin und Triglyzeride sind bei mir im Normbereich. Soll ich Lipoprotein(a) trotzdem messen lassen?
Dr. med. Benjamin Lechner: Ja, denn eine erhöhte Blutkonzentration von Lipoprotein(a) ist – unabhängig von LDL-Cholesterin und anderen Risiken – ein Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Der Lp(a)-Wert ist größtenteils erblich bedingt und durch Ernährung und Bewegung so gut wie nicht zu beeinflussen. Er verändert sich im Laufe des Lebens kaum, weshalb meist nur eine einmalige Bestimmung notwendig ist. Ist das Lipoprotein(a) hoch, stellt dies einen zusätzlichen kardiovaskulären Risikofaktor dar, der im Kontext mit anderen Risikofaktoren wie Rauchen, Bluthochdruck, Diabetes mellitus und Höhe des LDL-Cholesterins beurteilt werden sollte. Obwohl Lp(a) derzeit noch nicht gezielt medikamentös behandelt werden kann, lassen sich durch eine konsequente Optimierung der anderen kardiovaskulären Risikofaktoren Herz-Kreislauf-Erkrankungen meist verhindern.
Wer trägt die Kosten für die Messung?
Dr. Fatima Goudjil: Erwachsene haben zwischen dem 18. und 35. Lebensjahr einmalig Anspruch auf eine ärztliche Gesundheitsuntersuchung mit Bestimmung der Blutfettwerte. Ab dem 35. Lebensjahr steht ihnen dieser „Check-up 35“ dann alle drei Jahre zu. Sind Herzerkrankungen oder hohe Fettwerte in der Familie bekannt, übernehmen die Krankenkassen die Kosten schon ab dem Vorschulalter. Sinnvoll wäre allerdings, insbesondere bei ungesundem Lebensstil, die Blutfette auch ohne familiäre Vorbelastung früher messen zu lassen. Diese früheren Messungen werden jedoch häufig nicht von den Krankenkassen erstattet, und auch die Messung des Lipoprotein(a) muss man oft selbst tragen.
Gibt es außer der Messung Anzeichen für erhöhte Cholesterinwerte?
PD Dr. med. habil. Daniel Kretzschmar: Erhöhte Blutwerte von LDL-Cholesterin, Lipoprotein(a) und Triglyzeriden verursachen oft lange Zeit keine Beschwerden, trotzdem schreitet die Atherosklerose voran. Falls bei einer Untersuchung, zum Beispiel einem Gefäßultraschall, Ablagerungen festgestellt werden, ist das ein sicheres Zeichen für eine Fettstoffwechselstörung. Wenn in der Familie bei den Eltern, Großeltern oder Geschwistern schon in jüngerem Alter – bei Frauen bis 60, bei Männern bis 55 – Herzinfarkte, Schlaganfälle oder Durchblutungsstörungen beispielsweise in den Beinen vorgekommen sind oder es Fettstoffwechselstörungen gibt, ist es wichtig, die Blutfette schon bei den Kindern messen zu lassen, am besten anlässlich der Vorsorgeuntersuchung U9 im Alter von fünf oder sechs Jahren.
Wie lässt sich ein zu hoher LDL-Wert senken?
Dr. med. Benjamin Lechner: Die Basis jeder cholesterinsenkenden Therapie ist ein gesunder Lebenswandel. Dazu gehört eine Ernährung mit unverarbeiteten Lebensmitteln aus pflanzlichen und tierischen Quellen, zum Beispiel Gemüse, fettreicher Seefisch, Olivenöl, Nüsse und fermentierte Milchprodukte. Eine pflanzenbetonte Ernährung kann das LDL-Cholesterin um durchschnittlich etwa 10 Prozent senken. Weitere Bausteine sind ausreichend körperliche Aktivität, gesunder Schlaf und der Verzicht aufs Rauchen. Medikamente sind in jedem Fall notwendig bei Menschen mit schwerwiegenden Fettstoffwechselstörungen, wenn es schon Ablagerungen in den Blutgefäßen gibt, beziehungsweise wenn bereits ein Herzinfarkt oder ein Schlaganfall aufgetreten ist. Dazu ist eine ganze Reihe hochwirksamer und sehr gut verträglicher Medikamente verfügbar, aus denen Ärztinnen und Ärzte die individuell passenden herausfinden und auch kombinieren können. Nebenwirkungen sind selten und gehen in der Regel nach Anpassung der Medikation rasch zurück.
Soll ich Medikamente dauerhaft einnehmen?
Prof. Dr. med. Ksenija Stach: Ja, denn der Nutzen der cholesterinsenkenden Medikation ist umso größer, je länger sie eingenommen wird und die LDL-Cholesterinwerte gesenkt sind. In aller Regel sollten die verordneten Medikamente deswegen regelmäßig und lebenslang eingenommen werden. Eine dauerhafte Senkung der LDL-Cholesterinwerte durch eine kurzzeitige Einnahme oder eine einmalige Maßnahme ist derzeit noch nicht möglich.
Wie bekomme ich erhöhte Triglyzerid-Werte wieder in den Griff?
Priv.-Doz. Dr. med. habil. Katharina Lechner: Die Konzentration an Triglyzeriden im Blut zeigt oft, wie wir leben: wie wir essen und trinken, wie viel wir uns bewegen und ob unser Körper dauerhaft mehr Energie bekommt, als er verbraucht. Ein besonders wichtiger Hebel, um Triglyzeride zu senken, ist Bewegung. Wer sich bewegt und seine Muskeln kräftigt, kann Zucker und Fette aus dem Blut besser verwerten. Auch die Ernährung ist eine wichtige Stellschraube: möglichst wenig Fertigprodukte, wenig Zucker und wenig Weißmehl und stattdessen mehr Gemüse, Salat, Nüsse, zuckerarme Früchte wie Beeren, Olivenöl, fettreicher Seefisch, fermentierte Milchprodukte und kalorienfreie Getränke.
Mein Triglyzerid-Wert war zuletzt erhöht, bei einer Kontrollmessung nach drei Wochen wieder im Normbereich. Wie kommt das?
Prof. Dr. med. Ksenija Stach: Ist einmal ein erhöhter Wert gemessen worden, ist es sinnvoll, anschließend nochmals nüchtern zu messen, um die Situation bewerten zu können. Der Grund: Triglyzerid-Werte reagieren mehr oder weniger direkt auf jede Mahlzeit und alles, was wir essen und trinken. Deshalb unterliegen sie großen Schwankungen über den Tag hinweg. Wie hoch der Wert nach einer Messung liegt, hängt unter anderem davon ab, ob Sie bei der Blutabnahme nüchtern waren. Vergleichen lassen sich Werte nur, wenn sie unter den mehr oder weniger selben Bedingungen gemessen wurden. Haben Sie sich in den drei Wochen zwischen den Messungen anders ernährt, mehr bewegt oder auch abgenommen, kann dies ebenfalls die Triglyzeride senken.
Wie finde ich einen Lipidologen/eine Lipidologin in meiner Nähe?
Dr. med. Benjamin Lechner: Ärztinnen und Ärzte, die sich auf dem Gebiet der Fettstoffwechselstörungen in besonderer Weise fortgebildet haben und an die Sie sich wenden können, wenn Sie besonderen Rat brauchen, – sogenannte Lipidologinnen und Lipidologen DGFL – finden Sie hier. In der Liste kann man beispielsweise nach Postleitzahl oder Ort suchen (mit den kleinen Pfeilen im Tabelkopf).
Die Expertinnen und Experten der DGFL – Lipid-Liga e. V. am Lesertelefon waren:
- Dr. Fatima Goudjil; Fachärztin für Innere Medizin und Kardiologie, CardioEducation, Saarbrücken
- PD Dr. med. habil. Daniel Kretzschmar; Facharzt für Innere Medizin, Angiologie und Kardiologie, HUGG Herz- und Gefäßmedizin Goslar
- med. Benjamin Lechner; Facharzt Innere Medizin, Stoffwechselambulanz der Ludwig-Maximilians-Universität München
- Priv.-Doz. Dr. med. habil. Katharina Lechner; Fachärztin für Innere Medizin und Kardiologie, Universitätsklinikum Augsburg und Helmholtz Zentrum München
- Dr. med. Ksenija Stach; Fachärztin für Innere Medizin und Kardiologie, Endokrinologie und Diabetologie, Health and Medical University Potsdam
Im Jahr 2026 wurde die SPRECHZEIT initiiert von der DGFL – Lipid-Liga e. V. und ermöglicht von:
Sanofi-Aventis Deutschland GmbH
Daiichi Sankyo Deutschland GmbH
Lilly Deutschland GmbH
Amgen GmbH
MSD Sharp & Dohme GmbH
Auf Form und Inhalte der SPRECHZEIT nehmen die Firmen keinerlei Einfluss.
Auf den oben verlinkten Seiten der Unternehmen finden Sie weitere Informationen zum Thema.
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